Rund 75.000 Photovoltaik-Anlagen speisen heute im bayerischen Teil Schwabens Strom ins Verteilnetz der Innogy-Tochter LEW. Zusammen erzeugten sie im ersten Halbjahr 2019 insgesamt rund 911 Millionen Kilowattstunden Strom – so viel wie noch nie im Zeitraum zwischen Januar bis Juni. Rein rechnerisch deckten die Photovoltaik-Anlagen damit den jährlichen Strombedarf von rund 300.000 Haushalten. Besonders der Juni war ein starker Monat: Hier fielen fast 30 Prozent der gesamten Photovoltaik-Erzeugung des ersten Halbjahres 2019 an, meldet der in Augsburg ansässige Netzbetreiber.
Einen neuen Höchstwert erreichte auch jene Strommenge, die aus dem LEW-Netz in das vorgelagerte, europäische Übertragungsnetz gespeist wurde, da sie den aktuellen Bedarf aller an das Verteilnetz angeschlossenen Verbraucher überstieg: Hier wurde bis Ende Juni bereits so viel überschüssiger Strom in das Übertragungsnetz abgegeben wie im ganzen Jahr 2018. Die stärkste Rückspeisung gab es 2019 am Ostersonntag gegen 13:45 Uhr mit 1,1 Gigawatt. Dies entspricht in etwa der Leistung von zwei großen Gaskraftwerken.
LEW hat in mehreren Modellprojekten untersucht, wie sich mehr Solarstrom lokal verwerten lässt, um Abflüsse in die vorgelagerte Netzebene zu vermeiden. So hat der Netzbetreiber zusammen mit der Münchener Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) vierzehn Pendlern, die in Buchloe (Allgäu) aus dem Auto in den Zug steigen, ein Elektroauto zur Verfügung gestellt und am Bahnhof Ladesäulen installiert. Ziel war es, mit der bestehenden Netz-Infrastruktur so viele Autos wie möglich laden kann – und zwar vor allem mit Solarstrom, der vor Ort erzeugt wird. Allabendlich mussten die Fahrer angeben, zu welcher Zeit sie am Folgetag an den Ladestationen ankommen werden und bis wann sie ihre Batterien geladen haben wollen. Auf Basis dieser Daten sowie von Prognosen zur Sonneneinstrahlung hat ein Algorithmus dann Ladefahrpläne errechnet. Der LEW zufolge haben die Autos vierzig Prozent mehr vom lokal erzeugten Solarstrom aufgenommen als es ohne Steuerung der Fall gewesen wäre. Zudem seien Lastspitzen vermieden worden, die bei ungesteuertem Laden aufgetreten wären.
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Das könnte sogar ein Erfolgsmodell werden, wenn Pendler ihre E-Autos tagsüber am Abstellplatz laden können. Vandalismussicher ist das zwar nicht, aber tagsüber gibt es auch weniger Vandalen. Dann müsste noch dafür gesorgt werden, dass auch im Winter genug PV-Strom zur Verfügung steht – also geeignet ausrichten. Auch das wäre als Auflage für über den 52GW-Deckel hinaus gebaute Anlagen denkbar, damit sie weiterhin in den Genuss von EEG-Zahlungen kommen.