Bidirektionales Laden mit kleinem Kniff von Energy Island Power

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Stellen wir uns folgende Situation vor: Nach einem sonnigen Tag im Winter sind das Elektrofahrzeug und die Heimbatterie voll geladen. Über Nacht sinkt jedoch der Speicherinhalt im Haus und der Betreiber muss Strom aus dem Netz beziehen, obwohl zig Kilowattstunden an Sonnenstrom noch ungenutzt vor dem Haus stehen. Bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen, als Vehicle-to-Home, ist daher ein großer Wunsch vieler Fahrzeugbesitzer, aber noch kein Standard.

Inzwischen kann man an viele Fahrzeuge schon kleine Verbraucher anschließen, sei es ein Staubsauger oder ein Campingkocher. Die Fahrzeughersteller bieten dafür beispielsweise eine 230-Volt-Steckdose an oder man kauft sich für wenig Geld einen Vehicle-to-Load-Adapter nach. Könnte man auf diese Weise nicht auch die Heimbatterie nachladen? Das fragten sich die Gründer des Start-ups Energy Island Power und machten sich an die Entwicklung. Wer jetzt denkt, es reicht, einfach ein Kabel mit zwei Steckern zu nutzen und es in die Steckdose in der Garage einzustecken, übersieht ein wichtiges Sicherheitsproblem, das beispielsweise auch für Balkonkraftwerke erst einmal gelöst werden musste: Man darf nur dann ins Hausnetz einspeisen, wenn das öffentliche Netz Spannung führt (also kein Stromausfall vorliegt). Der Mikrowechselrichter muss sich hierfür mit dem Netz synchronisieren. Zudem ist er bei Balkonkraftwerken auf 800 Watt begrenzt. Die Synchronisierung wäre beim Anschluss eines Fahrzeugs per Stecker nicht gegeben und die Leistung sollte auch höher sein.

Die Entwickler nutzen daher einen Kniff, um den Fahrzeugstrom sicher ins Haus zu leiten: Sie gehen den Weg über den Solarwechselrichter. Das Fahrzeug oder ein beliebiger anderer Generator mit 230 Volt wird an die Power Unit 3000 des Unternehmens angeschlossen. Darin wird der Strom gleichgerichtet und so umgewandelt, dass sich eine IV-Kennlinie ergibt, die mit der einer Photovoltaik-Anlage vergleichbar ist. Der Wechselrichter tut dann, was er immer tut und gibt den Strom regelkonform ins Hausnetz oder den Heimspeicher ab, entweder als einphasigen oder dreiphasigen Wechselstrom. Für eine Weile scheint für ihn dann nachts die Sonne. Wer einen notstromfähigen Wechselrichter hat, kann mit seinem Fahrzeug auf diese Art sogar längere Stromausfälle überbrücken.

Falls der Wechselrichter noch einen DC-Eingang frei hat, lässt sich die Power Unit einfach einstecken. Wenn alle Eingänge schon belegt sind, wird noch eine Connect Unit zwischengeschaltet. Auf der einen Seite wird der Solarstring angeschlossen, auf der anderen die Power Unit. Alle Anschlüsse sind MC4-Solarverbinder. Auf diese Weise kann die Ladelösung bis zu 3.000 Watt Leistung bereitstellen. Zusätzliche Intelligenz gewinnt das System über eine Control Unit. Diese sitzt zwischen dem Fahrzeug und der Power Unit und erlaubt die Zuschaltung des Fahrzeugs in Abhängigkeit vom Ladestand des Heimspeichers. Sinkt dieser unter einen vorgegebenen Wert, springt das Fahrzeug ein, bis wieder ausreichend Strom im Batteriespeicher ist. Die Control Unit gibt es in zwei Varianten für unterschiedliche Energiemanager.

Natürlich ist der Prozess des Ein- und Ausspeicherns mit Verlusten behaftet. Nils Varchmin von Energy Island Power rechnet auf dem Weg vom Solarwechselrichter ins Fahrzeug und wieder zurück mit etwa 20 Prozent Einbußen. Auf der Plusseite steht, dass die Lösung vom Betreiber einfach selbst angeschlossen werden kann und keine weiteren Anpassungen an der Hausinstallation nötig sein sollen. Nach ausgiebigen Tests im Labor soll die Lösung Ende des zweiten Quartals 2025 auf den Markt kommen und wird dann auf der Webseite des Unternehmens verfügbar sein. Ob es sich lohnt, das Anschlussset zu erwerben, wird sich herausstellen, wenn der finale Endkundenpreis bekanntgegeben wurde. Im Prinzip kann die Preisdifferenz zwischen dem selbsterzeugten Solarstrom und dem eingesparten Netzstrom die Anschaffung refinanzieren. Das hängt jedoch auch davon ab, wie viel Strom über das Fahrzeug üblicherweise nachgeladen werden muss.

 

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