25 Jahre EEG: „Es war Chaos, aber auch immer lustig“

Solar-Partner Süd, Firmengebäude

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von Ina Röpcke

An seine erste Photovoltaik-Anlage erinnert sich Gerhard Weiße, Geschäftsführer der Solar-Partner Süd GmbH im Chiemgau, noch gut. 1996 sponsorte ein Verein der Biogärtnerei Horizont in Trostberg eine Anlage mit 1,1 Kilowatt Leistung. Die hat ungefähr 11.000 DM gekostet, erinnert sich der heute 66-Jährige, der die Anlage damals montierte. „Die Aufständerung war wie von einem Alteisenhändler, es gab ja nichts“, erzählt er und lacht. Als vier Jahre später das EEG bekanntgegeben wurde, war er gerade mit seinen Kollegen vom Verband der Solar-Einkaufsgemeinschaften auf einer Schulung. „Wir konnten es kaum glauben, dass es nun ein besseres Programm als das 100.000-Dächer-Programm geben sollte. Dann haben wir versucht, die Sachen zu kaufen.“ So ging es bei ihm los und bis heute plant und installiert sein mehrfach ausgezeichnetes Unternehmen Photovoltaik-, aber auch immer noch Solarthermie-Anlagen.

pv magazine-Serie: 25 Jahre EEG

Erfolgs- oder Auslaufmodell? Wohl kaum ein Gesetz hat seit der ersten Fassung so viele Änderungen erfahren wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das am 25. Februar 2000 vom Bundestag verabschiedet wurde und am darauffolgenden 1. April in Kraft trat. Und nur wenige Gesetze wurden derart kontrovers diskutiert.

Unbestritten aber ist, dass mit dem EEG das Fundament für den Photovoltaik-Boom in Deutschland gelegt wurde. Und indem es einen für damalige Verhältnisse riesigen, von Herstellern aus aller Welt belieferten Markt schuf, war es auch ein enormer Impuls für die globale Solarindustrie.

Getragen wurde dieser Markt von vielen kleinen Betrieben, die das Wagnis eingingen, sich auf den Bau von Photovoltaik-Anlagen zu spezialisieren. pv magazine erinnert deshalb an das historische Datum, oder besser: Wir fragen andere nach ihren Erinnerungen und veröffentlichen sie hier in kurzen Beiträgen.

Mit Solarthermie hat es bei dem Elektromeister angefangen. 1979 begann er, mit anderen zusammen in Sammelbestellungen Komponenten zu kaufen und in Selbstbaukursen die ersten Solarwärmeanlagen zu bauen. 1983 gründete er seine erste Firma, aus der 1993 die Solar-Einkaufsgemeinschaft Ostbayern (Soleg) wurde. Zusätzlich gründete er im Chiemgau die Solar-Partner Süd GmbH.

Hohe Nachfrage, aber keine Module

„Wir haben damals Module mit 100 Kilowatt Leistung für über 400.000 DM gekauft. Das waren irrsinnige Summen, das musste man ja auch erstmal bezahlen können,“ erinnert Weiße sich an die Zeit ab 2000. Und dann die Ernüchterung: „Die Nachfrage war da, aber die Module nicht.“ Denn die Lieferzeiten der Hersteller erstreckten sich über mehrere Monate, und wenn die Module dann geliefert wurden, waren hohe Nachforderungen nicht unüblich. Dazu kam: „Jeder hat uns für blöd erklärt.“ Fragen potenzieller Kunden in der Art von „Wie lange hält denn das Zeug?“ seien damals üblich gewesen.

Solar-Partner Süd, Gerhard Weiße
Gerhard Weiße

Foto: Solar-Partner Süd

Solar-Partner Süd kaufte Module bei Isofoton und Kyocera, später auch bei Solarworld, und Wechselrichter bei SMA und Kaco. In der Anfangszeit hatten die Anlagen bis 5 Kilowatt Leistung. Die extremen Schwankungen im Markt, die beispielsweise durch Änderungen in der Einspeisevergütung kamen, seien irritierend gewesen. „Es gab viel Chaos, aber es war auch immer lustig“, so Weiße. Ans Aufgeben habe er nie gedacht. „Wir haben uns im Verband auch ausgeholfen“, sagt er mit Blick auf die Firmen der Solar-Partner, wie der Verband ab 2007 hieß. „Als wieder mal zu wenig Material auf dem Markt war, gab es echt windige Sachen, halbe Attrappen. Fehlte nur noch, dass blaues Papier auf die Dächer geschraubt wurde. Das haben wir nie gemacht. Wir haben immer auf Regionalität gesetzt, sowohl bei Modulen als auch bei Wechselrichtern. So konnten wir uns immer im Spiegel anschauen.“

Im Rückblick zieht Gerhard Weiße aber ein positives Fazit: „Mit der Photovoltaik wäre es nicht so weit gekommen, wenn es das EEG nicht gegeben hätte. Es war ein Siegeszug um die ganze Welt.“ Die 1,1-Kilowatt-Anlage auf dem Dach der Biogärtnerei ist bis heute in Betrieb. Nur der Wechselrichter musste einmal getauscht werden.

Grundwissen EEG – eine nicht ganz vollständige Geschichte des Gesetzes (3)

Subvention? Sind die per Umlage auf den Strompreis finanzierten Einspeisevergütungen eine Subvention, genauer: eine von der EU zu genehmigende Beihilfe? Zu dieser viel diskutierten Frage lässt sich in aller Kürze festhalten, dass sie der Europäische Gerichtshof sowohl zum Stromeinspeisungsgesetz (2001) als auch zum EEG (2012) mit Nein beantwortet hat. Geändert hat sich dies erst 2021, als die Umlage mithilfe von Haushaltsmitteln (den Einnahmen aus der CO2-Bepreisung) zunächst verringert und 2022 schließlich auf null gesenkt und dann abgeschafft wurde – um den Preis, dass nun wieder die EU ein gewichtiges Wörtchen beim EEG mitzureden hat.

Jochen Siemer

Weitere Beiträge zum EEG-Jubiläum veröffentlichen wir in den nächsten Tagen.

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