Die Energiewende ist in vollem Gange und die Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle. Kaum ist eine gute Geschwindigkeit beim Ausbau erreicht, kommt wieder die Frage auf: Geht der schnelle Ausbau von Solarenergie auch netzdienlich? Die Antwort ist ein klares: Ja, natürlich! Der PV Think Tank beschreibt mit seinem Impulspapier „Quantität mit Qualität: Ein Photovoltaik-Drehbuch für die nächste Legislaturperiode“, wie das Traumpaar Photovoltaik und Speicher einen wesentlichen Beitrag für ein effizientes und stabiles Stromsystem liefern kann.
Die Netzdienlichkeit des Ausbaus hat sicher eine Rolle in den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag gespielt. Im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD für die Koalitionsverhandlungen steht: „Wir wollen alle Potentiale der erneuerbaren Energien nutzen. Dazu gehört neben dem entschlossenen und netzdienlichen Ausbau von Sonnen- und Windenergie unter anderem auch der Ausbau von Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie und Speicherkapazitäten.“ Das kann gut werden! Denn natürlich ist die netzdienliche Integration der Solarenergie eine zentrale Aufgabe, wenn mehrere hundert Gigawatt Photovoltaik das Rückgrat des Energiesystems bilden sollen. Daher empfiehlt der PV Think Tank den Anspruch „Quantität mit Qualität“ beim weiterhin progressiven Photovoltaik- und Speicherausbau.
Webinar: PV-Agenda 2025–2030 – Ideen für die neue Legislaturperiode
I. Vorstellung des Impulspapiers durch Mitglieder des PV Think Tank
- Photovoltaik-Politik — Quantität mit Qualität: Warum sollte in der neuen Legislatur der Fokus der Photovoltaik-Politik auf Quantität mit Qualität liegen?
- Photovoltaik-Speicher-Symbiose prägt bis 2030 das Stromsystem: Wie wird sich der Photovoltaik-Markt bis 2030 entwickeln und welche Chancen ergeben sich durch Solarbatteriespeicher?
- Reduktion der Hürden, Reduktion der Kosten: Der PV Think Tank schlägt einen „Günstiger-Solarstrom-Deal“ vor. Was steckt dahinter?
- Photovoltaik Agenda 2025 bis 2030: Was konkret zu tun ist. Der PV Think Tank diskutiert Ideen und Vorschläge für einen weiterhin progressiven Photovoltaik-Ausbau.
II. Kommentare aus Forschung und Praxis (15 Minuten):
- Volker Quaschning (HTW Berlin): Wo stehen wir in der Entwicklung der Photovoltaik?
- Sebastian Bolay (DIHK): Welche Rolle spielt die Photovoltaik aus Sicht der deutschen Wirtschaft?
III. Diskussion und Fragen
Mit der Photovoltaik kommen die Speicher ins Energiesystem. Das funktioniert schon gut bei der Gebäude-Photovoltaik und das beginnt nun auch bei gewerblichen Photovoltaik-Anlagen und bei Solarparks – marktgetrieben und schnell. Im Zusammenspiel kann und muss auch der netzdienliche Betrieb erreicht werden. Denn bis 2030 sollen in Deutschland 215 Gigawatt installierte Photovoltaik-Leistung erreicht werden und im Jahr 2040 sind es 400 Gigawatt – oder mehr. Mit netzdienlicher Qualität im Ausbau brauchen wir nicht mehr das Netz „auf die letzte Kilowattstunde“ auszubauen, denn diese wird eh zwischengespeichert. Entscheidend sind vielmehr die netz- und marktintegrierten Kilowatt, oder eher Gigawatt.
Mit Maßnahmen aus der letzten EEG-Novelle (Solarspitzen-Paket) kann dies auch einfacher und besser gehen als in der Vergangenheit. Denn zum Beispiel ermöglichen flexible Netzanschlussverträge die Überbauung von Netzanschlüssen. Mit Netzbetreibern kann so die maximale netzwirksame Leistung vertraglich verhandelt werden, bei Speichern in Bezugs- und Einspeiserichtung. Ziel ist es, das Netz gut zu nutzen, ohne es zu überlasten. Durch die im EEG verbesserten und vereinfachten Möglichkeiten der Marktanbindung von Prosumern und die „Steuerungstests“ durch die Verteilnetzbetreiber wird man das Thema Netzdienlichkeit in den Griff bekommen. Dass dies gelingt, ist Teil des Qualitätsanspruchs, den die Photovoltaik-Branche in den nächsten Jahren aufbauen sollte. Für Netzdienlichkeit, zusammen mit den Netzbetreibern.
Traumpaar Photovoltaik und Speicher
Wenn Deutschland weiter auf Photovoltaik und Speicher setzt, spielt es im Gewinnerteam. Und dass man mit systemdienlichen Speichern gewinnen kann, zeigt zum Beispiel Kalifornien. Dort liefern Speicher an jedem sonnigen Tag schon heute den Feierabendstrom – ohne Netzüberlastung. Das können wir auch, wenn Barrieren bei der Digitalisierung aufgelöst und Prozesse zum Netzanschluss und bei der Marktanbindung von Prosumern deutlich vereinfacht werden. Dann hebt man viele Systemvorteile.
Zwischengespeicherter Solarstrom wird zu einem verlässlichen und netzdienlichen Baustein einer zukunftsfähigen Energieversorgung
Sonne und Speicher sind ein tanzendes Traumpaar, das den Energiemarkt stützt und das Netz schützt. Die Speicher der Photovoltaik stehen dem Energiesystem auch dann zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint – auch nachts und im Winterhalbjahr. Dafür müssen Photovoltaik-Speicherkraftwerke ins System dürfen – vom kleinen marktangebundenen Hauskraftwerk über die Gewerbe-Photovoltaik bis hin zum Solarpark mit den angeschlossenen Batteriespeichern in der Multi-Megawattklasse, der zum Anker für die Systemstabilität wird. Der PV Think Tank beschreibt, wie die nächsten Schritte auf diesem Weg aussehen können.
Steuerbarkeit von Photovoltaik-Anlagen: Alle neuen Photovoltaik-Anlagen sollen steuerbar werden, idealerweise in Kombination mit Speichern, digital angebunden an den Energiemarkt. Dies ermöglicht es, die Einspeisung von Solarstrom ins Netz besser zu managen und Überlastungen zu vermeiden.
Hochlauf von Speichern und Flexibilitäten: Barrieren für die Installation von Speichern an Photovoltaik-Anlagen sollen beseitigt werden, sowohl für neue Co-Location-Speicher als auch für bestehende Anlagen (Retrofit von Speichern).
Modernisierung der Verteilnetze: Die Digitalisierung der Verteilnetzbetreiber soll forciert werden, um eine effizientere Steuerung und den Einsatz von lokalen, zeitvariablen Preissignalen zu ermöglichen. Shared Service Center bei Netzbetreibern sollen schnelle Netzanschlüsse ermöglichen und Bürokratie abbauen.
Marktintegration von Prosumern: Durch die pragmatische Nutzung von Smart Metern sollen auch Betreiber von kleineren Photovoltaik-Anlagen am Energiemarkt teilnehmen dürfen und ihre Flexibilität anbieten können. Die Prozesse für die Direktvermarktung sollen deutlich vereinfacht und digitalisiert werden.
Abbau von Bürokratie: Zahlreiche bürokratische Hürden sollen abgebaut werden, um den Ausbau zu beschleunigen und Kosten zu senken.
Es ist an der Zeit, das Potenzial der Photovoltaik in vollem Umfang zu nutzen – intelligent und netzdienlich.
— Bernhard Strohmayer ist Leiter Erneuerbare Energien beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) und Mitglied im PV Think Tank. —
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Man muss wohl den Titel „PV Think Tank“ haben, um diese seit Jahren bekannten Dinge wortreich wiederzugeben. Aber auf solche „Experten“ schein die Politik zu hören. Sehen wir‘s also positiv.
Wir haben die Möglichkeit seit geraumer Zeit, über Marktsignale den Bedarf zu regeln, siehe Tibber, Awattar, Octopus etc..
Statt dessen wurde der Spotmarkt zu einem exklusiven Erdgaskasino umfunktioniert, wo Fördergelder gewaschen werden können.
Das sieht man sehr schön daran, dass der Netzzustand bzw. die Netzabschaltungen sich kaum um den Preis kümmern.
Oder daran, wer dort überhaupt kaufen darf.
Oder daran, dass dort trotz Bedarf nach erneuerbarem Strom negative Preise entstehen (die „merkwürdigerweise“ nicht an jedem Spotmarkt auf diese Weise entstehen, siehe z.B. UK), welche nicht etwas fossile Brennstoffe sondern erneuerbare Generatoren verdrängen.
Der hiesige Innovationsstau ist kein technisches, sondern ein politisches Problem. Das Witzige ist, dass entsprechende Lösungen nun schlussendlich anderswo Marktreife erreichen, während hier deren Äquivalente in Hinterzimmern Staub und Schimmel ansetzen. Aber, nicht zuletzt, dank Gas-Rob ist ja wenigstens der Weg in eine Zukunft mit Erdgas gesichert.
Bernhard Strohmayer hat seinen Artikel sehr höflich formuliert und sich auf zukünftige Verbesserungen konzentriert. Und das kann in gewisser Weise auch Teil des Problems sein. Um zu vermeiden, dass Jemandem auf die Zehen getreten wird, werden eben Probleme nicht angesprochen. Wie soll man aus Problemen lernen, wenn es doch so aussieht, als ob alles richtig gemacht wurden?
Wobei das auch kein Schwarz-Weiss ist. Die unterliegende Philosophy, nicht auf Zehen zu treten, hat den Hintergrund, dass erfahrungsgemäß gerade Menschen in relevanten Positionen mit Kritik schlecht umgehen können und dann den Weg nach vorn aus Gnatz extra blockieren. Interessanterweise sind dies meist Personen, welche es gewohnt sind, Anderen klar aufzuzeigen, wo sie nicht perfekt sind. Forward-Thinking.
Zudem besteht bei Kritik noch die Gefahr, dass man selbst irrt.
Aber an Manfred Uhlig’s Kommentar kann man sehen, dass trotz Höflichkeit Kritik geübt wird, weil nur das Offensichtliche wiederholt wird.
Wie man es macht, es ist falsch. Da können wir auch einfach weiter machen wie bisher
. Sollen doch die Anderen Fehler machen.