Der Diebstahl von Photovoltaik-Modulen und anderer Solartechnik nimmt zu. Glücklich ist, wer aktuell noch auf legalem Wege an Komponenten kommt. Denn durch die Energiekrise steigt die Nachfrage nach Solarmodulen, Wechselrichtern und allem, was dazu gehört. Die Wartezeiten für die Materialien zum Bau einer Photovoltaikanlage können bis weit ins nächste Jahr reichen. Das motiviert auch Langfinger und Hehlerbanden, sich auf anderem Wege Zugang zu der Technik zu besorgen.
Allein in den vergangenen zwei Wochen kam es zu etlichen Meldungen: In Arzberg im Landkreis Wunsiedel wurden 114 Photovoltaik-Module von einer Baustelle gestohlen. Im brandenburgischen Nauen wurde Solartechnik im Wert von 30.000 Euro entwendet. An der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen sind in Gorden-Staupitz 61 Solarmodule aus einer Freiflächen-Anlage verschwunden. Im bayerischen Oberstreu haben Diebe etwa 130 Module aus einem Park geklaut. In Südhessen in Rodgau haben unbekannte Module im Wert von mehreren Tausend Euro auf einer Baustelle mitgehen lassen. Und in Windach bei München wurden Wechselrichter im Wert von 100.000 Euro gestohlen.
Das Landeskriminalamt Sachsen schlug bereits Alarm und warnte vor einer stärkeren Fallentwicklung. In dem Freistaat kam es im ersten Halbjahr 2021 zu 27 solcher Straftaten. Im Jahr davor waren es 24. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres zählten die Beamten aber bereits 34 Fälle. Der Schaden allein aus dem ersten Halbjahr in Sachsen beläuft sich dabei auf über 250.000 Euro. Mehr als doppelt so viel wie in den gleichen Zeiträumen in den Jahren davor. Als Grund für die Häufung nennt die Behörde die aktuelle Energiekrise und die gestiegene Nachfrage nach solchen Produkten. Auch das Land Brandenburg führt eine Statistik zum Diebstahl von Solaranlagen. Im Jahr 2021 belief sich der Schaden auch 1,8 Millionen Euro. Für das laufende Jahr gibt es noch keine Zahlen.
Bei Tätern handelt es sich den Behörden zufolge oft um organisierte Banden, die nachts und arbeitsteilig vorgehen. Das Material verschwindet dann in Kleintransportern. Anfang des Jahres konnte die Polizei Brandenburg zum Beispiel eine sechsköpfige Gruppe auf frischer Tat festnehmen. Sie hatten 18 Wechselrichter aus einer Gewerbeanlage bei Storkow entwendet.
Zum Schutz der Anlagen empfiehlt das Landeskriminalamt Sachsen, die besonders von Diebstahl gefährdeten Teile so zu installieren, dass sie sich nur durch Spezialwerkzeug oder Zerstörung abmontieren lassen. Einfache Maschendrahtzäune oder Wildzäune stellen kein Hindernis für die Diebe dar, da sie einfach geöffnet werden können. Stattdessen sollten Anlagenbetreiber auf Doppelstabgittermattenzäune mit Übersteig- und Unterkriechschutz setzen.
Zwar werden Photovoltaik-Komponenten statistisch häufiger von großen Gewerbedächern und Freiflächenanlagen gestohlen, so das Landeskriminalamt Sachsen, doch immer öfter nehmen die Diebe auch kleinere Anlagen auf Haus- und Garagendächern ins Visier. In diesem Bereich empfiehlt das Landeskriminalamt Sachsen, den Zugang zum Dach nicht durch herumstehende Mülltonnen oder andere Klettermöglichkeiten zu vereinfachen.
Auch Einbruchmeldeanlagen und Videoüberwachung können helfen. Die Tätergruppe aus Brandenburg zum Beispiel konnte durch die Auswertung von Beweisen vorangegangener Diebstähle aufgespürt werden.
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