Das Potenzial für die Photovoltaik in der Schweiz ist riesig, doch bislang weitgehend ungenutzt. Der Verband Swissolar fordert nun eine maßgebliche Beschleunigung des Zubaus. So habe das Schweizer Bundesamt für Energie (BfE) festgestellt, dass allein auf den Dächern im Land rund 50 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert werden könnten. Damit ließe sich der Atomausstieg des Landes kompensieren und gleichzeitig die Dekarbonisierung des Wärme- sowie Verkehrssektors vorantreiben.
Allerdings um die 50 Gigawatt installierte Photovoltaik-Leistung bis 2050 wirklich zu erreichen, müsste der jährlich Zubau von derzeit 300 auf 1500 Megawatt verfünffacht werden, so die Forderung von Swissolar im Vorfeld der 17. Nationalen Photovoltaik-Tagung in Bern. Ein Teilnehmerrekord von 630 wird bei der Konferenz erwartet, die der Verband gemeinsam mit dem BfE und dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) organisiert.
Swissolar ist überzeugt, dass die erste Phase in Richtung 50 Gigawatt mit einem optimierten Einsatz der bereits verfügbaren Fördermittel erreicht werden könne. Der Verband plädiert für die Schaffung von Ausschreibungen für Großanlagen, die keinen Eigenverbrauch haben. Zudem sei die Versorgungssicherheit im Land gewährleistet, wenn der massive Ausbau der Photovoltaik auch die Wasserkraft und Speichermöglichkeiten von Überschüssen abgestimmt bleibe.
Diesbezüglich kamen just am Dienstag gute Nachrichten vom BfE. Es stellte 30 Millionen Schweizer Franken – etwa 26,7 Millionen Euro – an zusätzlichen Fördermitteln bereit, um die Warteliste für die Einmalvergütung großer Photovoltaik-Anlagen (GREIV) in diesem Jahr weiter abzubauen. Wegen der gestiegenen Strommarktpreise hätten sich die Einnahmen des Netzzuschlagsfonds im vergangenen Jahr erhöht. Diese Mehreinnahmen würden nun für die Solarförderung genutzt, so das Bundesamt. Damit stehen in diesem Jahr insgesamt 180 Millionen Schweizer Franken für die Einmalvergütung großer Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung. Im Verlaufe des Jahres würden alle Gesuche, die bis zum 31. Januar 2014 eingereicht worden seien, eine Förderzusicherung erhalten. Die Warteliste könne zusätzlich um rund 400 große Anlagen abgebaut werden. Nach BfE-Angaben handelt es sich um 100 bereits realisierte Photovoltaik-Anlagen mit 27 Megawatt sowie 300 noch zu bauende Projekte mit insgesamt 70 Megawatt. Insgesamt würden über die GREIV-Zusicherung in diesem Jahr mehr als 2000 große Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz finanziert.*
Während die Fördermittel ausreichten, müssten allerdings bürokratische Hürden abgebaut werden, heißt es bei Swissolar weiter. Neue Photovoltaik-Anlagen lieferten auch in der Schweiz mittlerweile den günstigsten Strom aller neuen Kraftwerke. Weitere Preissenkungen bei der Technologie seien absehbar. Allerdings mache die zunehmende Bürokratie beim Bau von Photovoltaik-Anlagen die Kostensenkungen bei den Komponenten größtenteils wieder wett. Swissolar schätzt den bürokratischen Aufwand auf acht bis zwölf Stunden pro Projekt und appelliert an die Verteilnetzbetreiber, Gemeinden, Pronovo und weitere Instanzen, ihre Abläufe zu vereinfachen und aufeinander abzustimmen. Zudem müssten bei der bevorstehenden Revision des CO2-Gesetzes wichtige Weichen gestellt werden, um auch die Energiewende im Heizungs- und Verkehrssektor rasch anzukurbeln.
*Anmerkung der Redaktion: Der Artikel ist am 26.3.2019, 12 Uhr, aktualisiert worden, nachdem das Bundesamt für Energie die zusätzlichen Fördermittel für große Photovoltaik-Anlagen bekanntgab.
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50 GW PV sind für ein Land wie der Schweiz doch völlig aberwitzig, weil die im Sommer in den Mittagstunden ein vielfaches der Lastspitzen in der Schweiz erzeugen würden
Herr Grün
Es handelt sich um das ausbau Ziel 2050. Bis dahin muss sich die Energiegesellschaft maßgeblich ändern oder wir laufen Gefahr uns als Spezies selber zu löschen.
Weitere Argumente:
– Die Schweiz kann bereits heute 10GW in Pumpspeicher Leistung speichern
– Die Spitzenlast im Land ist am Mittag weitere ca. 9 GW
– Ca. 2-3 GW werden am Mittag von Deutschland nach Italien verkauft, dies könnte auch die Schweiz selber verkaufen.
Also müssen wir uns bis ca. 20GW Spitzenleistung keine sorgen machen.
Das bei einer 50GWp installierten Leistung 50GW raus kommt is nicht realistisch. 40GW ist realistischer.
Herr Gmür auch 40GW ist ein vielfaches der Lastspitzen in der Schweiz . Darüber hinaus hat die Schweiz ein Anteil von fast 60% Wasserkraft ( Quelle https://www.strom.ch/de/energiewissen/produktion-und-handel/produktion-strommix).
Und nach Deutschland wird auch nicht exportiert werden können weil es gerade in Süddeutschland sehr viele PV-Anlagen gibt
Das ist aber sehr in der alten Energiewelt gedacht. 100% Gleichzeitigkeit wird man nie haben, dazu kommt ein bißchen Abregelung, ein bißchen Speicherung (Kurzzeit und Langzeit), ein bißchen Lastverschiebung und ein bißchen Export – der Fall, dass auch die Nachbarländer nichts brauchen können, wird eher selten sein. Nur in diesem seltenen Fall wird man etwas mehr abregeln müssen. Außerdem werden die Anlagen, die heute gebaut werden, 2050 zum größten Teil gar nicht mehr am Netz sein. Was dann am Netz ist, wurde nochmal deutlich günstiger errichtet, und kann sich die Abregelung oder Langzeitspeicherung mit schlechtem Wirkungsgrad leisten.
Sehr geehrte Experten,
bitte beachten Sie:
50GW PV bedeutet: Leistung bei optimaler Sonneneinstrahlung und optimalem Winkel.
Wie Herr Gmür beschreieben hat kommen dabei nur 40GW raus.
Aber selbst in der Schweiz scheint nicht immer die Sonne und sind die Winkel der PV-Felder nicht das ganze Jahr optimal ausgerichtet. An dieser Stelle würde ich ohnehin plädieren, die PV-Anlagen nicht auf Maximalertrag im Sommer, sondern im Winter auszurichten. Schließlich ist der Energie- und Leistungsbedarf im Winter höher.
An allen anderen Tagen, Wolken, bedeckter Himmel, Regen kommen aus der 50GWp-Anlage nur 5 -10GW raus. Schließlich soll ja die Eigenversorgung möglichst das ganze Jahr über grün sein.
Und sollten Überschüsse vorhanden sein, gibt es Speichermöglichkeiten in allen Größenordnungen um auch die grüne Energieversorgung in der Nacht sicherzustellen. Das reicht von Salzwasser-Heimspeichern bis hin zu Pumpspeichern.
Ihren Vorschlag „PV-Anlagen nicht auf Maximalertrag im Sommer, sondern im Winter auszurichten“ kann doch nicht ernst nehmen. Energie- und Leistungsbedarf sind zwar im Winter höher, aber das kann man mit PV doch gar nicht erreichen, weil dazu im Winter zu selten die Sonne scheint